Neurosen nach ICD

F40 Phobische Störungen
Eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche, Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, daß die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind, richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.
F41 Andere Angststörungen
Bei diesen Störungen stellen Manifestationen der Angst die Hauptsymptome dar, ohne auf eine bestimmte Umgebungssituation bezogen zu sein. Depressive und Zwangssymptome, sogar einige Elemente phobischer Angst können vorhanden sein, vorausgesetzt, sie sind eindeutig sekundär oder weniger ausgeprägt.
F42 Zwangsstörung
Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.
F43 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
Die Störungen dieses Abschnittes unterscheiden sich von den übrigen nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren: ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft. Obwohl weniger schwere psychosoziale Belastungen („life events“) den Beginn und das Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.
F43.0 Akute Belastungsreaktion
Eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von „Betäubung“, mit einer gewissen Bewußtseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen (bis hin zu dissoziativem Stupor, siehe F44.2) oder aber ein Unruhezustand und Überaktivität (wie Fluchtreaktion oder Fugue). Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten treten zumeist auf. Die Symptome erscheinen im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie (siehe F44.0) bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen werden.
F44 Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]
Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionstörungen besteht in teilweisem oder völligen Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewußtseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Alle dissoziativen Störungen neigen nach einigen Wochen oder Monaten zur Remission, besonders wenn der Beginn mit einem traumatisierenden Lebensereignis verbunden ist. Eher chronische Störungen, besonders Lähmungen und Gefühlsstörungen, entwickeln sich, wenn der Beginn mit unlösbaren Problemen oder interpersonalen Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Störungen wurden früher als verschiedene Formen der „Konversionsneurose oder Hysterie“ klassifiziert. Sie werden als ursächlich psychogen angesehen, in enger zeitlicher Verbindung mit traumatisierenden Ereignissen, unlösbaren oder unerträglichen Konflikten oder gestörten Beziehungen. Die Symptome verkörpern häufig das Konzept der betroffenen Person, wie sich eine körperliche Krankheit manifestieren müßte. Körperliche Untersuchung und Befragungen geben keinen Hinweis auf eine bekannte somatische oder neurologische Krankheit. Zusätzlich ist der Funktionsverlust offensichtlich Ausdruck emotionaler Konflikte oder Bedürfnisse. Die Symptome können sich in enger Beziehung zu psychischer Belastung entwickeln und erscheinen oft plötzlich. Nur Störungen der körperlichen Funktionen, die normalerweise unter willentlicher Kontrolle stehen und Verlust der sinnlichen Wahrnehmung sind hier eingeschlossen. Störungen mit Schmerz und anderen komplexen körperlichen Empfindungen, die durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden, sind unter Somatisierungsstörungen (F45.0) zu klassifizieren. Die Möglichkeit eines späteren Auftretens ernsthafter körperlicher oder psychiatrischer Störungen muß immer mitbedacht werden.
• Hysterie
• Hysterische Psychose
• Konversionhysterie
• Konversionsreaktion
F44.0 Dissoziative Amnesie
Das wichtigste Kennzeichen ist der Verlust der Erinnerung für meist wichtige aktuelle Ereignisse, die nicht durch eine organische psychische Störung bedingt ist und für den eine übliche Vergeßlichkeit oder Ermüdung als Erklärung nicht ausreicht. Die Amnesie bezieht sich meist auf traumatische Ereignisse wie Unfälle oder unerwartete Trauerfälle und ist in der Regel unvollständig und selektiv. Eine vollständige und generalisierte Amnesie ist selten, dann gewöhnlich Symptom einer Fugue (F44.1) und auch als solche zu klassifizieren. Die Diagnose sollte nicht bei hirnorganischen Störungen, Intoxikationen oder extremer Erschöpfung gestellt werden.
F44.1 Dissoziative Fugue
Eine dissoziative Fugue ist eine zielgerichtete Ortsveränderung, die über die gewöhnliche Alltagsmobilität hinausgeht. Darüber hinaus zeigt sie alle Kennzeichen einer dissoziativen Amnesie (F44.0). Obwohl für die Zeit der Fugue eine Amnesie besteht, kann das Verhalten des Patienten während dieser Zeit auf unabhängige Beobachter vollständig normal wirken.
F44.2 Dissoziativer Stupor
Dissoziativer Stupor wird aufgrund einer beträchtlichen Verringerung oder des Fehlens von willkürlichen Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung diagnostiziert. Dabei lassen Befragung und Untersuchung keinen Anhalt für eine körperliche Ursache erkennen. Zusätzliche Hinweise auf die psychogene Verursachung geben kurz vorhergegangene belastende Ereignisse oder Probleme.
F44.3 Trance- und Besessenheitszustände
Bei diesen Störungen tritt ein zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auf. Hier sind nur Trancezustände zu klassifizieren, die unfreiwillig oder ungewollt sind, und die außerhalb von religiösen oder kulturell akzeptierten Situationen auftreten.
F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen
Die häufigsten Formen zeigen den vollständigen oder teilweisen Verlust der Bewegungsfähigkeit eines oder mehrerer Körperglieder. Sie haben große Ähnlichkeit mit fast jeder Form von Ataxie, Apraxie, Akinesie, Aphonie, Dysarthrie, Dyskinesie, Anfällen oder Lähmungen.
Psychogen:
• Aphonie
• Dysphonie
F44.5 Dissoziative Krampfanfälle
Dissoziative Krampfanfälle können epileptischen Anfällen bezüglich ihrer Bewegungen sehr stark ähneln. Zungenbiß, Verletzungen beim Sturz oder Urininkontinenz sind jedoch selten. Ein Bewußtseinsverlust fehlt oder es findet sich statt dessen ein stupor- oder tranceähnlicher Zustand.
F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
Die Grenzen anästhetischer Hautareale entsprechen oft eher den Vorstellungen des Patienten über Körperfunktionen als medizinischen Tatsachen. Es kann auch unterschiedliche Ausfälle der sensorischen Modalitäten geben, die nicht Folge einer neurologischen Läsion sein können. Sensorische Ausfälle können von Klagen über Parästhesien begleitet sein. Vollständige Seh- oder Hörverluste bei dissoziativen Störungen sind selten.
Psychogene Schwerhörigkeit oder Taubheit
F44.7 Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen], gemischt
Kombinationen der unter F44.0-F44.6 beschriebenen Störungen.
F44.8 Sonstige dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]
• Ganser-Syndrom
• Multiple Persönlichkeit(sstörung)
• Psychogen: Dämmerzustand, Verwirrtheit
F44.9 Dissoziative Störung [Konversionsstörung], nicht näher bezeichnet
F45 Somatoforme Störungen
Das Charakteristikum ist die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, daß die Symptome nicht körperlich begründbar sind. Wenn somatische Störungen vorhanden sind, erklären sie nicht die Art und das Ausmaß der Symptome, das Leiden und die innerliche Beteiligung des Patienten.
F45.0 Somatisierungsstörung
Charakteristisch sind multiple, wiederholt auftretende und häufig wechselnde körperliche Symptome, die wenigstens zwei Jahre bestehen. Die meisten Patienten haben eine lange und komplizierte Patienten-Karriere hinter sich, sowohl in der Primärversorgung als auch in spezialisierten medizinischen Einrichtungen, wo viele negative Untersuchungen und ergebnislose explorative Operationen durchgeführt sein können. Die Symptome können sich auf jeden Körperteil oder jedes System des Körpers beziehen. Der Verlauf der Störung ist chronisch und fluktuierend und häufig mit einer langdauernden Störung des sozialen, interpersonalen und familiären Verhaltens verbunden. Eine kurzdauernde (weniger als zwei Jahre) und weniger auffallende Symptomatik wird besser unter F45.1 klassifiziert (undifferenzierte Somatisierungsstörung).
Multiple psychosomatische Störung
F45.1 Undifferenzierte Somatisierungsstörung
Wenn die körperlichen Beschwerden zahlreich, unterschiedlich und hartnäckig sind, aber das vollständige und typische klinische Bild einer Somatisierungsstörung nicht erfüllt ist, ist die Diagnose undifferenzierte Somatisierungsstörung zu erwägen.
Undifferenzierte psychosomatische Störung
F45.2 Hypochondrische Störung
Vorherrschendes Kennzeichen ist eine beharrliche Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitender körperlicher Krankheiten zu leiden. Die Patienten manifestieren anhaltende körperliche Beschwerden oder anhaltende Beschäftigung mit ihren körperlichen Phänomenen. Normale oder allgemeine Körperwahrnehmungen und Symptome werden von dem betreffenden Patienten oft als abnorm und belastend interpretiert und die Aufmerksamkeit meist auf nur ein oder zwei Organe oder Organsysteme des Körpers fokussiert. Depression und Angst finden sich häufig und können dann zusätzliche Diagnosen rechtfertigen.
• Dysmorphophobie (nicht wahnhaft)
• Hypochondrie
• Hypochondrische Neurose
• Körperdysmorphophobe Störung
• Nosophobie
F45.3 Somatoforme autonome Funktionsstörung
Die Symptome werden vom Patienten so geschildert, als beruhten sie auf der körperlichen Krankheit eines Systems oder eines Organs, das weitgehend oder vollständig vegetativ innerviert und kontrolliert wird, so etwa des kardiovaskulären, des gastrointestinalen, des respiratorischen oder des urogenitalen Systems. Es finden sich meist zwei Symptomgruppen, die beide nicht auf eine körperliche Krankheit des betreffenden Organs oder Systems hinweisen. Die erste Gruppe umfaßt Beschwerden, die auf objektivierbaren Symptomen der vegetativen Stimulation beruhen wie etwa Herzklopfen, Schwitzen, Erröten, Zittern. Sie sind Ausdruck der Furcht vor und Beeinträchtigung durch eine(r) somatische(n) Störung. Die zweite Gruppe beinhaltet subjektive Beschwerden unspezifischer und wechselnder Natur, wie flüchtige Schmerzen, Brennen, Schwere, Enge und Gefühle, aufgebläht oder auseinandergezogen zu werden, die vom Patienten einem spezifischen Organ oder System zugeordnet werden.
• Da-Costa-Syndrom
• Herzneurose
• Magenneurose
• Neurozirkulatorische Asthenie
• Psychogene Formen:
• Aerophagie
• Colon irritabile
• Diarrhoe
• Dyspepsie
• Dysurie
• erhöhte Miktionshäufigkeit
• Flatulenz
• Husten
• Hyperventilation
• Pylorospasmen
• Singultus
Exkl.: Psychische und Verhaltenseinflüsse bei anderenorts klassifizierten Störungen oder Krankheiten (F54)
F45.4 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Die vorherrschende Beschwerde ist ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozeß oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden kann. Er tritt in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auf, die schwerwiegend genug sein sollten, um als entscheidende ursächliche Faktoren gelten zu können. Die Folge ist meist eine beträchtlich gesteigerte persönliche oder medizinische Hilfe und Unterstützung. Schmerzzustände mit vermutlich psychogenem Ursprung, die im Verlauf depressiver Störungen oder einer Schizophrenie auftreten, sollten hier nicht berücksichtigt werden.
• Psychalgie
• Psychogen: Kopfschmerz, Rückenschmerz
• Somatoforme Schmerzstörung
F45.8 Sonstige somatoforme Störungen
Hier sollten alle anderen Störungen der Wahrnehmung, der Körperfunktion und des Krankheitsverhaltens klassifiziert werden, die nicht durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden, die auf spezifische Teile oder Systeme des Körpers begrenzt sind und mit belastenden Ereignissen oder Problemen eng in Verbindung stehen.
• Dysmenorrhoe
• Dysphagie, einschließlich „Globus hystericus“
• Pruritus
• Tortikollis
• Zähneknirschen
F45.9 Somatoforme Störung, nicht näher bezeichnet
Psychosomatische Störung o.n.A.
F48 Andere neurotische Störungen
F48.0 Neurasthenie
Im Erscheinungsbild zeigen sich beträchtliche kulturelle Unterschiede. Zwei Hauptformen überschneiden sich beträchtlich. Bei einer Form ist das Hauptcharakteristikum die Klage über vermehrte Müdigkeit nach geistigen Anstrengungen, häufig verbunden mit abnehmender Arbeitsleistung oder Effektivität bei der Bewältigung täglicher Aufgaben. Die geistige Ermüdbarkeit wird typischerweise als unangenehmes Eindringen ablenkender Assoziationen oder Erinnerungen beschrieben, als Konzentrationsschwäche und allgemein ineffektives Denken. Bei der anderen Form liegt das Schwergewicht auf Gefühlen körperlicher Schwäche und Erschöpfung nach nur geringer Anstrengung, begleitet von muskulären und anderen Schmerzen und der Unfähigkeit, sich zu entspannen. Bei beiden Formen finden sich eine ganze Reihe von anderen unangenehmen körperlichen Empfindungen wie Schwindelgefühl, Spannungskopfschmerz und allgemeine Unsicherheit. Sorge über abnehmendes geistiges und körperliches Wohlbefinden, Reizbarkeit, Freudlosigkeit, Depression und Angst sind häufig. Der Schlaf ist oft in der ersten und mittleren Phase gestört, es kann aber auch Hypersomnie im Vordergrund stehen.
Ermüdungssyndrom
Soll eine vorausgegangene Krankheit angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer zu benutzen.
Exkl.: Asthenie o.n.A. (R53)
Benigne myalgische Enzephalomyelitis [postvirales Ermüdungssyndrom] (G93.3)
Burn-out-Syndrom (Z73.0)
Psychasthenie (F48.8)
Unwohlsein und Ermüdung (R53)
F48.1 Depersonalisations- und Derealisationssyndrom
Eine seltene Störung, bei der ein Patient spontan beklagt, das seine geistige Aktivität, sein Körper oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben, und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden. Neben vielen anderen Phänomenen und Symptomen klagen die Patienten am häufigsten über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt. Trotz der dramatischen Form dieser Erfahrungen ist sich der betreffende Patient der Unwirklichkeit dieser Veränderung bewußt. Das Sensorium ist normal, die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks intakt. Depersonalisations- und Derealisationsphänomene können im Rahmen einer schizophrenen, depressiven, phobischen oder Zwangsstörung auftreten. In solchen Fällen sollte die Diagnose der im Vordergrund stehenden Störung gestellt werden.
F48.8 Sonstige neurotische Störungen
Beschäftigungsneurose, einschließlich Schreibkrämpfen
Dhat-Syndrom
Psychasthenie
Psychasthenische Neurose
Psychogene Synkope
F48.9 Neurotische Störung, nicht näher bezeichnet
Neurose o.n.A.

Esstörungen nach ICD10 (Auszug)

F50.0 Anorexia nervosa
Die Anorexia ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert. Am häufigsten ist die Störung bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen; heranwachsende Jungen und junge Männer, Kinder vor der Pubertät und Frauen bis zur Menopause können ebenfalls betroffen sein. Die Krankheit ist mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden, wobei die Angst vor einem dicken Körper und einer schlaffen Körperform als eine tiefverwurzelte überwertige Idee besteht, und die Betroffenen eine sehr niedrige Gewichtsschwelle für sich selbst festlegen. Es liegt meist Unterernährung unterschiedlichen Schweregrades vor, die sekundär zu endokrinen und metabolischen Veränderungen und zu körperlichen Funktionsstörungen führt. Zu den Symptomen gehören eingeschränkte Nahrungsauswahl, übertriebene körperliche Aktivitäten, selbstinduziertes Erbrechen und Abführen und der Gebrauch von Appetitzüglern und Diuretika.
F50.1 Atypische Anorexia nervosa
Es handelt sich um Störungen, die einige Kriterien der Anorexia nervosa erfüllen, das gesamte klinische Bild rechtfertigt die Diagnose jedoch nicht. Zum Beispiel können die Schlüsselsymptome wie deutliche Angst vor dem zu Dicksein oder die Amenorrhoe fehlen, trotz eines erheblichen Gewichtsverlustes und gewichtsreduzierendem Verhalten. Die Diagnose ist bei einer bekannten körperlichen Krankheit mit Gewichtsverlust nicht zu stellen.
F50.2 Bulimia nervosa
Ein Syndrom, das durch wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert ist. Dies führt zu einem Verhaltensmuster von Eßanfällen und Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln. Viele psychische Merkmale dieser Störung ähneln denen der Anorexia nervosa, so die übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und körperlichen Komplikationen führen. Häufig läßt sich in der Anamnese eine frühere Episode einer Anorexia nervosa mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nachweisen.
F50.3 Atypische Bulimia nervosa
Es handelt sich um Störungen, die einige Kriterien der Bulimia nervosa erfüllen, das gesamte klinische Bild rechtfertigt die Diagnose jedoch nicht. Zum Beispiel können wiederholte Eßanfälle und übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln auftreten ohne signifikante Gewichtsveränderungen, oder es fehlt die typische übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht.
F50.4 Eßattacken bei anderen psychischen Störungen
Übermäßiges Essen als Reaktion auf belastende Ereignisse, wie etwa Trauerfälle, Unfälle und Geburt.
F50.5 Erbrechen bei anderen psychischen Störungen
Wiederholtes Erbrechen bei dissoziativen Störungen (F44.-) und Hypochondrie (F45.2) und Erbrechen, das nicht unter andere Zustandsbilder außerhalb des Kapitels V klassifiziert werden kann. Diese Subkategorie kann zusätzlich zu O21.- (exzessives Erbrechen in der Schwangerschaft) verwendet werden, wenn hauptsächlich emotionale Faktoren wiederholte Übelkeit und Erbrechen verursachen.
F50.8 Sonstige Eßstörungen
F50.9 Eßstörung, nicht näher bezeichnet

Borderline Persönlichkeitsstörung nach ICD

F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

Sonstige depressive Störungen nach dem ICD

F34 Anhaltende affektive Störungen
Hierbei handelt es sich um anhaltende und meist fluktuierende Stimmungsstörungen, bei denen die Mehrzahl der einzelnen Episoden nicht ausreichend schwer genug sind, um als hypomanische oder auch nur leichte depressive Episoden gelten zu können. Da sie jahrelang, manchmal den größeren Teil des Erwachsenenlebens, andauern, ziehen sie beträchtliches subjektives Leiden und Beeinträchtigungen nach sich. Gelegentlich können rezidivierende oder einzelne manische oder depressive Episoden eine anhaltende affektive Störung überlagern.
F34.0 Zyklothymia
Hierbei handelt es sich um eine andauernde Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden von Depression und leicht gehobener Stimmung (Hypomanie), von denen aber keine ausreichend schwer und anhaltend genug ist, um die Kriterien für eine bipolare affektive Störung (F31.-) oder rezidivierende depressive Störung (F33.-) zu erfüllen. Diese Störung kommt häufig bei Verwandten von Patienten mit bipolarer affektiver Störung vor. Einige Patienten mit Zyklothymia entwickeln schließlich selbst eine bipolare affektive Störung.
F34.1 Dysthymia
Hierbei handelt es sich um eine chronische, wenigstens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung (F33.-) zu erfüllen.
F34.8 Sonstige anhaltende affektive Störungen
F34.9 Anhaltende affektive Störung, nicht näher bezeichnet
F38 Andere affektive Störungen
Hierbei handelt es sich um eine Restkategorie für Stimmungsstörungen, die die Kriterien der oben genannten Kategorien F30-F34 in Bezug auf Ausprägung und Dauer nicht erfüllen.
F38.0 Andere einzelne affektive Störungen
Gemischte affektive Episode
F38.1 Andere rezidivierende affektive Störungen
Rezidivierende kurze depressive Episoden
F38.8 Sonstige näher bezeichnete affektive Störungen
F39 Nicht näher bezeichnete affektive Störung
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

Depression nach dem ICD

F32 Depressive Episode
Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von sogenannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.
F32.0 Leichte depressive Episode
Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.
F32.1 Mittelgradige depressive Episode
Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden und der betroffene Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig und meist liegen einige somatische Symptome vor.
F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
Eine schwere depressive Episode, wie unter F32.2 beschrieben, bei der aber Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorische Hemmung oder ein Stupor so schwer ausgeprägt sind, daß alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich sind und Lebensgefahr durch Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen kann. Halluzinationen und Wahn können, müssen aber nicht, synthym sein.
F32.8 Sonstige depressive Episoden
F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet
F33 Rezidivierende depressive Störung
Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden (F32.-) charakterisiert ist. In der Anamnese finden sich dabei keine unabhängigen Episoden mit gehobener Stimmung und vermehrtem Antrieb (Manie). Kurze Episoden von leicht gehobener Stimmung und Überaktivität (Hypomanie) können allerdings unmittelbar nach einer depressiven Episode, manchmal durch eine antidepressive Behandlung mitbedingt, aufgetreten sein. Die schwereren Formen der rezidivierenden depressiven Störung (F33.2 und .3) haben viel mit den früheren Konzepten der manisch-depressiven Krankheit, der Melancholie, der vitalen Depression und der endogenen Depression gemeinsam. Die erste Episode kann in jedem Alter zwischen Kindheit und Senium auftreten, der Beginn kann akut oder schleichend sein, die Dauer reicht von wenigen Wochen bis zu vielen Monaten. Das Risiko, daß ein Patient mit rezidivierender depressiver Störung eine manische Episode entwickelt, wird niemals vollständig aufgehoben, gleichgültig, wie viele depressive Episoden aufgetreten sind. Bei Auftreten einer manischen Episode ist die Diagnose in bipolare affektive Störung zu ändern (F31.-).

F33.0 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode leicht ist (siehe F32.0), ohne Manie in der Anamnese.
F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode mittelgradig ist (siehe F32.1), ohne Manie in der Anamnese.
F33.2 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode schwer ist, ohne psychotische Symptome (siehe F32.2) und ohne Manie in der Anamnese.
F33.3 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist; die gegenwärtige Episode ist schwer, mit psychotischen Symptomen (siehe F32.3), ohne vorhergehende manische Episoden.
F33.4 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
Die Kriterien für eine der oben beschriebenen Störungen F33.0-F33.3 sind in der Anamnese erfüllt, aber in den letzten Monaten bestehen keine depressiven Symptome.
F33.8 Sonstige rezidivierende depressive Störungen
F33.9 Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet

Manie und Bipolaren Störung nach ICD

F30 Manische Episode
Alle Untergruppen dieser Kategorie dürfen nur für eine einzelne Episode verwendet werden. Hypomanische oder manische Episoden bei Betroffenen, die früher eine oder mehrere affektive (depressive, hypomanische, manische oder gemischte) Episoden hatten, sind unter bipolarer affektiver Störung (F31.-) zu klassifizieren.
F30.0 Hypomanie
Eine Störung, charakterisiert durch eine anhaltende, leicht gehobene Stimmung, gesteigerten Antrieb und Aktivität und in der Regel auch ein auffallendes Gefühl von Wohlbefinden und körperlicher und seelischer Leistungsfähigkeit. Gesteigerte Geselligkeit, Gesprächigkeit, übermäßige Vertraulichkeit, gesteigerte Libido und vermindertes Schlafbedürfnis sind häufig vorhanden, aber nicht in dem Ausmaß, daß sie zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder zu sozialer Ablehnung führen. Reizbarkeit, Selbstüberschätzung und flegelhaftes Verhalten können an die Stelle der häufigen euphorischen Geselligkeit treten. Die Störungen der Stimmung und des Verhaltens werden nicht von Halluzinationen oder Wahn begleitet.
F30.1 Manie ohne psychotische Symptome
Die Stimmung ist situationsinadäquat gehoben und kann zwischen sorgloser Heiterkeit und fast unkontrollierbarer Erregung schwanken. Die gehobene Stimmung ist mit vermehrtem Antrieb verbunden, dies führt zu Überaktivität, Rededrang und vermindertem Schlafbedürfnis. Die Aufmerksamkeit kann nicht mehr aufrechterhalten werden, es kommt oft zu starker Ablenkbarkeit. Die Selbsteinschätzung ist mit Größenideen oder übertriebenem Optimismus häufig weit überhöht. Der Verlust normaler sozialer Hemmungen kann zu einem leichtsinnigen, rücksichtslosen oder in Bezug auf die Umstände unpassenden und persönlichkeitsfremdem Verhalten führen.
F30.2 Manie mit psychotischen Symptomen
Zusätzlich zu dem unter F30.1 beschriebenen klinischen Bild treten Wahn (zumeist Größenwahn) oder Halluzinationen (zumeist Stimmen, die unmittelbar zum Betroffenen sprechen) auf. Die Erregung, die ausgeprägte körperliche Aktivität und die Ideenflucht können so extrem sein, daß der Betroffene für eine normale Kommunikation unzugänglich wird.
F30.8 Sonstige manische Episoden
F30.9 Manische Episode, nicht näher bezeichnet
F31 Bipolare affektive Störung
Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich gestört sind. Diese Störung besteht einmal in gehobener Stimmung, vermehrtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie oder Manie), dann wieder in einer Stimmungssenkung und vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression). Wiederholte hypomanische oder manische Episoden sind ebenfalls als bipolar zu klassifizieren.
F31.0 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode
Der betroffene Patient ist gegenwärtig hypomanisch (siehe F30.0) und hatte wenigstens eine weitere affektive Episode (hypomanisch, manisch, depressiv oder gemischt) in der Anamnese.
F31.1 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome
Der betroffene Patient ist gegenwärtig manisch, ohne psychotische Symptome (siehe F30.1) und hatte wenigstens eine weitere affektive Episode (hypomanisch, manisch, depressiv oder gemischt) in der Anamnese.
F31.2 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen
Der betroffene Patient ist gegenwärtig manisch, mit psychotischen Symptomen (F30.2) und hatte wenigstens eine weitere affektive Episode (hypomanisch, manisch, depressiv oder gemischt) in der Anamnese.
F31.3 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode
Der betroffene Patient ist gegenwärtig depressiv, wie bei einer leichten oder mittelgradigen depressiven Episode (siehe F32.0 oder F32.1) und hatte wenigstens eine eindeutig diagnostizierte hypomanische, manische oder gemischte Episode in der Anamnese.
F31.4 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Der betroffene Patient ist gegenwärtig depressiv, wie bei einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (siehe F32.2) und hatte wenigstens eine eindeutig diagnostizierte hypomanische, manische oder gemischte Episode in der Anamnese.
F31.5 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
Der betroffene Patient ist gegenwärtig depressiv, wie bei einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (siehe F32.3) und hatte wenigstens eine eindeutig diagnostizierte hypomanische, manische oder gemischte Episode in der Anamnese.
F31.6 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig gemischte Episode
Der betroffene Patient hatte wenigstens eine eindeutig diagnostizierte hypomanische, manische, depressive oder gemischte affektive Episode in der Anamnese und zeigt gegenwärtig entweder eine Kombination oder einen raschen Wechsel von manischen und depressiven Symptomen.
F31.7 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig remittiert
Der betroffene Patient hatte wenigstens eine eindeutig diagnostizierte hypomanische, manische oder gemischte affektive Episode und wenigstens eine weitere affektive Episode (hypomanisch, manisch, depressiv oder gemischt) in der Anamnese; in den letzten Monaten und gegenwärtig besteht keine deutliche Störung der Stimmung. Auch Remissionen während einer prophylaktischen Behandlung sollen hier kodiert werden.
F31.8 Sonstige bipolare affektive Störungen
F31.9 Bipolare affektive Störung, nicht näher bezeichnet

Schizophrenie

Schizophrenie: Die Erkrankung mit den meisten Vorurteilen.

Eins vorweg mit gespaltener Persönlichkeit hat die Erkrankung rein gar nichts zu tun, also kein Dr. Jekill und Mr. Hyde. Dieses Vorurteil ist vor 50 Jahren entstanden, als auch Psychiater dieses Symptom – die multiple Persönlichkeit –  der Schizophrenie zugeordnet hat. Dieser Irrtum hat den an einer Schizophrenie erkrankten sehr geschadet, die Idee aufgebracht, dass diese gefährlich wären, was nur selten stimmt. Wenn schizophrene Patienten gefährlich sind, dann wegen Alkohol und Drogenmissbrauch oder wegen imperativer Stimmen, zu diesen jedoch später.
Also was ist die Schizophrenie wirklich?

Die Schizophrenie ist eine chronische Erkrankung, das bedeutet, dass die meisten Patienten lebenslang ein Medikament nehmen müssen, oder alle 2 Wochen eine Spritze von ihrem Hausarzt bekommen. Wenn die Patienten ihre Medikamente regelmäßig nehmen, das bedeutet aber, dass sie es nie auch nur für wenige Tage vergessen dürfen, ist das Risiko eines Ausbrechens der akuten Erkrankung sehr klein.
Was passiert wenn die Schizophrenie akut wird? Diesen Zustand beschreibt man als akute Psychose, hierbei treten die typischen Symptome der unbehandelten Schizophrenie auf. Diese Symptome sind das Hören von Stimmen, veränderte eigene Gedanken, das Auftreten von unbegründeten Ängsten bis zum Verfolgungswahn, überhaupt das Auftreten von Wahnideen, also unbegründete und nicht korrigierbare oft unsinnige Ideen und viele andere Symptome. Diese Erkrankung zählt sicher zu den am meisten belastenden Krankheiten überhaupt, das Problem ist, dass die Krankheit chronisch ist, wenn sie einmal ausgebrochen ist, kann sie jederzeit wieder kommen.
Die gute Nachricht ist:

Es gibt gute Medikamente mit wenigen Nebenwirkungen, welche das erneute Auftreten dieser Erkrankung recht zuverlässig verhindern können, wenn man die Medikamente regelmäßig einnimmt.

Vor 100 Jahren gab es überhaupt keine Therapie gegen die Schizophrenie, Erkrankte wurden einfach weggesperrt, in großen Krankenhäusern am Rande einer Stadt. Vor 50 Jahren kamen die ersten Neuroleptika, welche erstmals eine erfolgreiche Behandlung ermöglichten. Diese Medikamente waren sehr wirkungsvoll, aber sie hatten massive Nebenwirkungen, welche bewirkten, dass die behandelten Patienten sehr an Roboter erinnerten, Menschen ohne Emotionen mit steifen Bewegungen.

Erst seit 20 Jahren sind Medikamente im Handel welche einerseits gut wirkten und nur wenig Nebenwirkungen haben. Der einzige wirkliche Nachteil dieser Medikamente ist, dass sie teuer sind. In Österreich ist es jedem behandelnden Arzt möglich auch diese Medikamente zu geben, in Deutschland (welch armes Land) ist dies nicht mehr uneingeschränkt möglich, da dürfen Ärzte nur bis zu einer gewissen Summe Medikamente verschreiben, zumindest haben mir das letztens Kollegen aus Deutschland erzählt. Einem chronisch kranken Patienten die lebenswichtige Medikation vorzuenthalten wäre oder ist jedoch eine Schande für einen Staat. Vielleicht fragen Sie jetzt warum lebenswichtig, sterben Patienten an einer Schizophrenie, prinzipiell nein, aber das Risiko sich umzubringen, ist bei einem an Schizophrenie erkrankten sehr hoch. Wir können aber auch erkennen, dass dieses Risiko in dem Maße sinkt in dem moderne und nebenwirkungsarme Medikamente auf den Mark kommen. Wenn wir diese jetzt aber wegen Sparmaßnahmen nicht geben, steigt auch wieder das Risiko eines Selbstmordes. Zudem ist das Vorenthalten von optimalen Medikamenten eine völlig ungeeignete Maßnahme, da ein optimal eingestellter Patient nicht wieder ins Krankenhaus muss, und stattdessen ganz normal arbeiten kann. Dadurch wird weit mehr Geld eingespart, als auch die teuerste Medikation kosten kann. Das Problem bei dieser Rechnung ist nur, dass das eingesparte Geld in einen anderen Topf kommt, und deshalb die Krankenkassen die Last der teueren Medikamente leisten muss,  aber von dem Geld das sie den Krankenhäusern erspart nichts sieht. Auch die Arbeitsfähigkeit des Patienten führt nicht dazu dass ihre finanzielle Situation gebessert wird. Aber so einseitig sind halt nun mal moderne staatliche Finanzsysteme.
Nach diesem kurzen gesundheitspolitischem Exkurs wieder zurück zur Krankheit.

Also moderne und nebenwirkungsarme Medikamente haben das Leben der an einer Schizophrenie erkrankten wieder sehr viel besser gemacht, der Horror an einer akuten Psychose erkrankt zu sein ist nur schwer vorstellbar, im Gegensatz dazu ein Medikament mit wenig oder auch ganz ohne Nebenwirkungen zu nehmen, und ganz normal zu leben ist der krasse Gegensatz.

Die Medikamente der letzten 20 Jahre sind allesamt gut und ein erheblicher Gewinn. Jedes Medikament hat seine Schwächen und Stärken, das eine Medikament führt bei vielen (aber nicht allen) zu einer Gewichtszunahme, das nächste kann in einer höheren Dosierung zu einer Muskelsteifigkeit oder Zittern führen, und das nächste macht müde und wirkt nicht allzu zuverlässig, auch eine Lustlosigkeit kann durch das eine oder andere Medikament bewirkt werden, im Vergleich zu den alten Medikamenten ist diese jedoch kaum noch ausgeprägt. Wenn man die Medikamente jedoch gut auswählt findet man fast immer ein Medikament welches der Patient gut verträgt.

Die neuesten Fortschritte haben vor allem Medikamente gebracht welche nur mehr einmal am Tag genommen werden müssen, oder überhaupt nur mehr als Spritzte alle 2 Wochen gegeben werden können.

Warum ist eine Spritze alle 2 Wochen ein so großer Vorteil?

Ein Depot, also die Gabe des Medikamentes alle 2 Wochen hat mehrere Vorteile:

Einerseits kann die Einnahme nicht vergessen werden, und das Auslassen der Einnahme eines Neuroleptikus, dem Medikament gegen eine Schizophrenie ist das größte Risiko eines Rückfalls. Andererseits ist der Blutspiegel bei einem Depot glatt. Im Körper ist immer die gleiche Menge Wirkstoff enthalten. Wenn ich ein Medikament 2x täglich einnehmen muss ist kurz nach der Einnahme der Spiegel am höchsten, und macht hierbei die Nebenwirkungen. Kurz vor der Einnahme der nächsten Tablette ist der Spiegel niedrig und muss aber immer noch so hoch sein um vor der Erkrankung zu schützten, die Gesamtdosis ist also deutlich höher als bei einem Depot. Eine weitere Neuerung sind spezielle Kapseln, welche den Wirkstoff langsam über 24 Std entleeren, auch bei dieser Form kann ein glatter Wirkstoffspiegel erreicht werden. Diese Kapseln werden wohl zumindest einen Teil der Vorteile des Depots erfüllen, wenn ein Patient auf keinen Fall eine Injektion alle 2 Wochen haben will. Der einzige Nachteil dieses Medikamentes ist, dass es noch nicht im Handel ist, jedoch können einige Psychiater dieses Medikament welches in einigen Ländern (aber halt noch nicht in Österreich) schon im Handel ist geben. Überhaupt haben wir in Österreich das Privileg fast alle Medikamente den Patienten geben zu können, welche diese benötigen, aber nachdem die Krankenkassen trotzdem sparsam mit den finanziellen Mitteln umgehen müssen, verhandeln sie oft jahrelang mit den Firmen, damit diese die Medikamente entsprechend günstig anbieten. Und in dieser Zeit sind die Medikamente dann nicht über Kassenrezept zu beziehen. Also ganz so rosig ist es natürlich auch in Österreich nicht. Und es wäre noch viel problematischer, wenn nicht die Bevölkerung zusammen mit den Ärzten immer gegen übertriebene Sparvorhaben der Regierung Stellung beziehen würden. Nachdem die Regierung aber von der Bevölkerung gewählt werden will, ist (zumindest bisher) noch Geld für eine recht gute medizinische Versorgung da.

(Schon wieder ein politischer Exkurs – Entschuldigung – zurück zum Thema)

Also die zuletzt gefundenen Neuerungen bei den Medikamenten betreffen vor allem eine Depotspritze die nur alle 2 Wochen gegeben werden muss (ein Depot alle 4 Wochen ist in Vorbereitung), und eine Kapsel die den ganzen Tag das Medikament freigibt, und damit auch Wirkstoff – und damit Nebenwirkungen einspart.

Aber es gibt nicht nur Medikamente gegen die Schizophrenie, auch wenn diese mit Abstand das wichtigste Mittel gegen diese Erkrankung sind, es gibt auch Psychotherapie und Schulungen.

Besonders wichtig sind Schulungen der Erkrankten und deren Familien. Wenn Betroffene und deren Angehörige lernen mit der Schizophrenie umzugehen, senken sie damit ganz enorm das Risiko eines erneuten Auftretens. Die Familien lernen dabei massive Emotionsausbrüche zu vermeiden, und dem Erkrankten eine sichere Zufluchtstelle zu bieten, in welcher er/sie sich sicher und geborgen fühlt, was das Ausbrechen einer erneuten Psychose verhindert. Diese Schulungen sollten von Betroffenen gehalten werden, diese wissen am besten wie man sich fühlt wenn man die Medikamente für ein zwei Wochen nicht mehr nimmt, und die Gefahr eines erneuten Aufflammens der Schizophrenie unterschätzt. Wie lange es dann braucht wieder völlig Beschwerdefrei zu werden.

 

Postpartale Depressionen

Heultage, Postpartale Depressionen und postpartale Psychosen

Die schönste Zeit des Lebens, oder eher ?

* Heulanfälle
* Stimmungsschwankungen
* Angstgefühle
* Schlafstörungen
* Depressive Stimmung
* Gefühllosigkeit
* Antriebslosigkeit
* Selbstmordimpulse

Die Stimmung nach einer Geburt ist in den seltensten Fällen ausgeglichen. Durch die Strapazen der Schwangerschaft, das Trauma der Geburt, die Schlaflosigkeit durch ein nachts unruhiges Baby welches regelmäßig gestillt werden muss, und nicht zuletzt durch die massive Hormonumstellung zum Zeitpunkt der Geburt kommt es bei fast allen Müttern zu Gemütsstörungen welche in verschiedenen Formen auftreten können:

die Heultage oder Baby Blues kommen bei bis zu 75 % aller Mütter vor. Hierbei kommt es zu einem kurzzeitigen Stimmungstief mit Gemütsschwankungen, Heulanfällen, Angstgefühlen, Schlafstörungen und Appetitstörungen. Diese Phase vergeht meist nach ein wenigen Tagen von selbst.

Bei einigen Frauen tritt aber auch eine Wochenbettdepression oder eine postpartale Depression auf. Vor allem in den ersten drei Monaten nach einer Geburt kann es zu einem Stimmungstief mit Antriebslosigkeit, Versagensängsten, Schuldgefühlen, Schlafstörungen und auch dem Gefühl kommen für das Neugeborene nichts zu empfinden.
Die Wochenbettdepression ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung da im Rahmen jeder Depression Suizidgedanken und Suizidversuche auftreten können

Was sind eigentlich Depressionen?

Depressionen sind nicht einfach eine schlechte Stimmung, sie sind vielmehr eine Art Erschöpfungszustand des Gehirnes, bei dem es zu einem Mangel an verschiedenen Überträgerstoffen des Gehirnes kommt. Auf dieser Ebene greifen auch die Medikamente ein, welche dafür sorgen, dass diese Überträgerstoffe weniger schnell abgebaut werden, und damit letztendlich mehr davon vorhanden ist. Die Gabe von Medikamenten ist aber nur eine von mehreren möglichen Therapien gegen so eine Depression.

Weitere Möglichkeiten eine Depression zu behandeln sind Lichttherapie und Psychotherapie. Bei einer schweren Depression sollte man diese aber immer mit einer medikamentösen Therapie kombinieren.

Unbehandelt kann eine solche Depression aber sehr lange andauern. Man hat gesehen, dass diese Depressionen ohne Behandlung oft über ein ganzes Jahr dauern, behandelt verschwinden sie mist schon nach wenigen Wochen.

Diese Depression ist nicht nur ein Problem für die Mutter. Man konnte sehen, dass Babies durch die depressive Mutter ihrerseits auch leichter krank werden, oder sich in der Entwicklung schwerer tun; diese Probleme treten vor allem bei einer nicht behandelten lang andauernden Depression auf.
Sie könnten eine postpartale Depression haben wenn Sie in den letzten Tagen manchmal:

* nicht mehr lachen konnten
* sich nicht mehr über etwas freuen konnten
* sich in unnötiger Weise schuldig fühlten
* aus nichtigen Gründen ängstlich waren
* leicht erschrocken sind bzw. aus unerfindlichen Gründen panisch reagiert haben
* verschiedene Ursachen überfordert haben
* so unglücklich waren, dass Sie nicht mehr schlafen konnten
* die meiste Zeit traurig waren und sich schlecht gefühlt haben
* so unglücklich waren, dass Sie die meiste Zeit geweint haben
* den Gedanken bekommen haben sich selbst etwas anzutun

Depressionen sind nach einer Geburt sehr häufig (10-15%) und aufgrund der Störung der Mutter-Kind Beziehung sehr beeinflussend. Aufgrund der Selbstmordgefärdung sind sie überdies sehr gefährlich.

Wenn Sie eine Depression haben sollten Sie Hilfe aufsuchen. Diese Hilfe bekommen Sie einerseits bei einem Psychotherapeuten zur Überwindung dieser schwierigen Lebenssituation, und andererseits bei einem Psychiater, da die Depression eine organisch (mit)begründete Krankheit ist, und mit entsprechenden Mitteln (Medikamente, alternative Therapien wie z.B. Lichttherapie) behandelt werden sollen.
Das Leid der jungen glücklichen Mutter

Postpartale Depressionen, also Depressionen die in den Wochen oder auch Monaten nach einer Geburt auftreten, gehören zu den häufigsten Krankheiten überhaupt. Jede 7. Frau erkrankt nach der Geburt ihres Kindes, und jede zweite Betroffene ist nach einem Jahr immer noch krank, wenn sie nicht psychotherapeutisch und/oder medikamentös betreut wird.
Die Folgen für die Erkrankung, welche eigentlich sehr gut therapiert werden kann, ist fatal. Nicht „nur“ die betroffene Mutter leidet enorm, auch das Kind leidet – da die erkrankte Mutter nur selten in der Lage ist, ihr Kind optimal zu versorgen. Es konnte beobachtet werden, dass die Kinder von depressiven Müttern schon früh Auffälligkeiten zeigten, welche nach einer erfolgreichen Terapie der Mutter wieder vollständig verschwanden.

 

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Treffpunkte für Mütter

 

Depression Fakten

Depression ist nicht Trauer

Depression ist keine Schwäche

Depression ist eine sehr gut behandelbare Krankheit des Gehirns

Typische Symptome

  • Hartnäckige traurige oder „leere“ Stimmung
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, welche einem früher Spaß gemacht haben
  • Verminderte Energie,
  • Schlafstörungen
  • Gedanken an Tod, Selbstmordgedanken…
  • Appetitlosigkeit (oder auch gesteigerter Appetit, Frustessen)
  • Konzentrationprobleme, Vergesslichkeit
  • Gefühl von Schuld, Wertlosigkeit, Hilflosigkeit.
  • Reizbarkeit
  • Exzessives Weinen
  • Chronische Schmerzen und Schmerzen, die auf Behandlung nicht verschwinden

Auslöser

  • Negativer Stress
  • Schlafentzug
  • Heftige Traumata
  • Virusinfekte
  • Jahreszeit
  • Familiäre Belastung
  • usw.

Eine Depression ist eine ernste
aber behandelbare Krankheit!

Was ist eine Depression?

Im Gehirn gibt es eine Reihe von Überträgerstoffen, welche die Information von einem Nerv zum nächsten weitergeben. Diese Überträgerstoffe sind unter anderem Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.
Kommt es nun zu einem Mangel an einem dieser Stoffe, baut sich das Gehirn um, damit kann es trotz der wenigen Überträgerstoffe weiter arbeiten. Folge dieses Umbaus sind die Symptome der Depression.
Gibt man jetzt diese Überträgerstoffe dem Gehirn zurück, repariert sich das Gehirn wieder von selbst. Und zwar vollständig. Dazu benötigt es aber etwas Zeit (meistens 2-4 Wochen).

Behandlung

Nachdem eine Depression durch einen Überträgerstoffmangel ausgelöst wird, muss man zur Behandlung der Depression diese Überträgerstoffe zurückgeben.

Ein typisches Antidepressivum ist ein SSRI oder Serotoninwiederaufnahmehemmer. Bei diesen SSRI wird die Wiederaufnahme von Serotonin in den Nerv um ein paar Millisekunden verlangsamt. Das bedeutet, dass das Serotonin ein paar Millisekunden länger wirken kann.
Andere Antidepressiva bewirken auch eine  Noradrenalin Wiederaufnahmehemmung. Diese Antidepressiva können zum Beispiel besonders gut die Antriebslosigkeit der Depression bekämpfen.
Allen Antidepressiva behandeln die Depression ohne in unsere Gedanken, Gefühle oder Emotionen einzugreifen. Das Gehirn erhält nur die Überträgerstoffe zurück und kann sich dann ganz von alleine wieder erholen.
Deshalb benötigen Depressionen auch Zeit, um zu verschwinden, man sollte schon ein bis zwei Wochen Geduld haben, bis eine Depression zurückgeht. Manchmal dauert das auch etwas länger. Auch muss man die Medikamente über eine längere Zeit einnehmen, eine gute Faustregel ist 6 Monate nach der ersten Depression, länger wenn eine Depression schon öfter aufgetreten ist.

Aber Antidepressiva machen nicht süchtig, führen nicht zur Gewöhnung und verändern weder unser Wesen noch unsere Gedanken! Sie heilen die Depression.

Sind Depressionen selten?

Nein, jeder 5. bis 10. Mensch hat eine Depression. (Jetzt, nicht irgendwann einmal im Leben)
neuere Forschungen zeigen, dass jeder 2. Mensch im Laufe des Lebens eine Depression hat.

Ist eine Depression gefährlich?

Ja und Nein. Eine Depression hinterlässt, nachdem sie abgeheilt ist, keinen Schaden im Körper. Da aber viele Menschen wegen einer Depression nicht zum Arzt gehen, und deshalb auch nicht behandelt werden, verzweifeln Patienten mit einer Depression häufig, und machen dann einen Selbstmord­versuch.
Und der Selbstmord ist die häufigste Todesursache bei Menschen unter 40 Jahren.

Kann ich eine Depression verhindern?

Ja, zumindest teilweise. Ich kann das Risiko für eine Depression reduzieren. Ich kann z.B. Yoga oder andere Maßnahmen gegen Stress machen, und so oft eine Depression verhindern.

Machen Antidepressiva süchtig?

Nein, auch nicht die Antidepressiva welche müde machen, und deshalb gegen Schlafstörungen eingesetzt werden. (Im Gegensatz zu den typischen Schlafmitteln, welche dann nach 1-2 Wochen abgesetzt werden müssen)

Wie und wann verschwindet eine Depression?

Eine Depression verschwindet meist 2-4 Wochen nach dem Beginn einer Behandlung. Unbehandelt kann sie jedoch auch deutlich länger andauern.

Möchten Sie mehr über die Depression wissen?

Dann schauen Sie sich doch einfach, die vom BR Alpha kostenlos zur Verfügung gestellten Videos von Univ. Prof. DDr. Spitzer zu diesem Thema an. Besser als er kann das wohl kaum jemand erklären.